Freitag, 13. April 2018

Ein Plädoyer für süßen Wein

Süßer Wein wird verkannt, ohne Frage. In Zirkeln Weininteressierter stellt immer irgendwann jemand fest, dass nur trockener Wein das Wahre und süßer Wein nur etwas für Traubensafttrinker sei. Durch diese Ignoranz verpasst man nicht nur hervorragende Weingenüsse, sondern beschränkt darüberhinaus den eigenen Horizont vollkommen unnötig.

Ich spreche hier nicht nur von edelsüßen Dessert- oder Eisweinen, welche als Delikatessen angesehen werden, sondern eben auch von jenen oft geschmähten, als lieblich oder fruchtig deklarierten Weinen.  Klar, nicht wenige dieser Weine sind fast schon klebrig und passen so gar nicht zu gutem Essen, da sie dieses total überlagern würden - allerdings gibt es auch reichlich fruchtig-leichte Alternativen, die perfekt zur Käseplatte oder einem fruchtigen Dessert passen. Aber auch bei Hauptgerichten, besonders solche, die wie beispielsweise die ostasiatische Küche mit sauren und süßen Aromen spielen, kann ein süßer Wein hervorragend mit den Aromen harmonieren.

Ein fruchtiger Riesling aus dem Kloster Eberbach, hier zusammen mit einer
Spinatquiche eine hervorragende Kombination für schöne Frühlingstage.


Woher kommt der schlechte Ruf der süßen Weine? Besonders im Billigpreissegment wird Zuckersüße häufig verwendet, um eine Armut an Aromen zu überspielen, daher schmecken diese hin und wieder fast ausschließlich nach Zucker, jedoch kaum nach Frucht. Außerdem unterstellt man süßen Weinen gerne, sie bereiteten am nächsten Tag gerne mal Kopfschmerzen. Dazu sei gesagt, dass bei einem verantwortungsvollen Weingenuss, der in der Regel nicht mit einem starken Rausch einhergeht, grundsätzlich die Gefahr eines Katers so gut wie gebannt ist. Sollte es aber dennoch mal zu einem oder zwei Gläsern mehr kommen, kann es tatsächlich sein, dass liebliche Weine für etwas mehr Brummen sorgen als trockene. Das liegt aber weniger am Zucker als an Begleitstoffen, die in süßem Wein in höheren Konzentrationen vorkommen als bei solchen mit geringerer Restsüße. Insbesondere sind hierbei Sulfite (Schwefelsäureester) und sogenannte Fusel- oder Begleitalkohole zu nennen. Süße Weine befinden sich häufig am oben Ende der Skala, was den Gehalt dieser Stoffe angeht, welche wirklich für den ein oder anderen Kater verantwortlich sind. Dieser Vorwurf ist also nicht ganz unbegründet.

Jedoch muss ganz klar gesagt werden: wer hochwertigen Wein moderat und nicht zu schnell genießt und dabei nicht vergisst, dass zur Hydration des Körpers Wasser und nicht Wein dienen soll, wird so gut wie nie mit Kopfschmerzen bestraft werden.

Welchen süßen Wein nehme ich denn nun?

Ganz unklare Antwort: Kommt drauf an. Als Dessertwein oder zu würzigem oder sehr fettem Käse bietet sich sicher ein Eiswein oder eine Beerenauslese an. Zu süß-sauren Gerichten beispielsweise Hünchen mit Reis und einer entsprechenden Soße darf es gerne ein fruchtiger Weißburgunder oder Riesling sein. Das Zauberwort heißt wie immer ausprobieren. Jeder Geschmack ist etwas anders und besoners bei Süßweinen muss man sich einfach etwas ins Wasser wagen, um den richtigen für sich selbst zu finden. Bei Weinen in der Preisklasse von 5 bis 10 € lassen sich so einige Überraschungen entdecken, die außer Restsüße auch viele Aromen und Früchte mitbringen. 


Neben der ganzen Theorie aber gilt ganz einfach: Es muss schmecken, sonst nichts. Viel Spaß beim Ausprobieren!




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