Montag, 11. Dezember 2017

Die Schönheit des Alltäglichen

Manchmal braucht man eine Inspiration von außen, um das Schöne, das einen jeden Tag umgibt, wieder wahrzunehmen. Eine meiner Katzen neigt dazu, abends und morgens zu miauen und um Aufmerksamkeit zu ringen. Auch wenn es schöner ist, von einem miauenden Fellwesen neben dem Kopfkissen geweckt zu werden als von einem schrill klingelndem Wecker, so kann es doch gelegentlich nervig sein; besonders, wenn man am Wochenende versucht auszuschlafen, die Katzen aber den Werktagsrythmus von 6 Uhr beibehalten.

Eines Tages setzte sich meine Katze also miauend auf das Fensterbrett neben meinem Bett und schaute sich miauend um, bis ihr Blick aus dem Fenster fiel. Sie dreht sich langsam und, setzte sich seitlich neben die Scheibe und schaute hinaus. Sie schien nichts besonderes zu beobachten, sondern blickte sich einfach nur um. Weil ich nachsehen wollte, ob es einen Grund für die plötzliche Aufmerksamkeit für die Außenwelt gab, stellte ich mich neben sie und schaute sie streichelnd ebenfalls nach draußen. Ich entdeckte nichts und blieb nun auch so stehen und schaute mich ein bisschen um. Wir saßen und standen eine gute viertel Stunde so da und schauten einfach nur raus. Auch wenn es so klingt als hätte ich ein ziemlich langweiliges Leben, so war das tatsächlich das Highlight meines Tages.


Wir machen das nun öfter, einfach nur dasitzen und das Alltägliche wertschätzen. Es ist nicht nur unglaublich entspannend, sondern man entdeckt auch Kleinigkeiten des Alltags, die einem sonst gar nicht so auffallen. Wie der Hausmeister den Weg freischaufelt, wie die Nachbarn mit ihrem Hund im Schnee spielen, wie in weiter Entfernung am Horizont die Flugzeuge vom Airport starten (nur wenn der Nebel die Sicht nicht verdeckt) und viele andere scheinbar langweilige und doch faszinierende Dinge. Meine Katze scheint genauso begeistert wie ich zu sein: Seit sie entdeckt hat, wie interessant das Fenster ist, miaut sie viel weniger. Noch weniger, wenn ich neben ihr stehe und sie streichle, klar!


Katze und Fenster warten hier auf eine
gemeinsame Runde Nichtstun.

Ich bin jetzt 27, vielleicht ist das nun schon mein Übergang in die Alter-Mensch-glotzt-am-Fenster-Phase. Wenn's so schön ist: Mir egal!


PS: Dazu passt im Übrigen perfekt eine Tasse Tee oder heiße Schokolade. Ich stehe seit die Temperaturen gefallen sind sehr auf koawach, einen nicht zu süßen Faitrade-Kakao mit Guarana. Und für die Wein-Fans: Winter ist bei mir Rotweinzeit, wie wäre es mit einem Württemberger Trollinger oder einem jungen, fruchtigen Schwarzriesling (der eher ein Spätburgunder als ein echter Riesling ist)? Ohne Essen sind mir solche leichten Rotweine doch lieber. Den echten blauen Spätburgunder mit seinen komplexen Aromen hebe ich mir dann für den Weihnachtsbraten auf.