Montag, 19. Dezember 2016

Warum für mich 1. Klasse fahren minimalistisch ist

Hallo liebe Freunde,

Um eines gleich klar zu stellen: Es handelt sich hierbei NICHT um Produktplatzierung, ich habe kein Geld für den Artikel erhalten, sondern schreibe ihn aus freien Stücken.

Hin und wieder bin ich mit dem Zug unterwegs, zukünftig durch meinen Berufswechsel auch häufiger. Ich habe dabei durch den Zufall, dass bei einer Reise das 1. Klasse Ticket fast genauso teuer war wie das der zweiten, festgestellt, dass trotz des höheren Preises die 1. Klasse deutlich minimalistischer sein kann. Das hat dazu geführt, dass, wenn es preislich im Rahmen ist, ich grundsätzlich 1. Klasse für Langstrecken buche. Warum, das erzähle ich euch heute:

1. Ruhe zum Arbeiten
Wer mein Blog schon etwas länger liest, weiß dass Minimalismus für mich nicht rein materiell ist. Er bedeutet für mich, sich auf das Wesentliche zu fokussieren und es stringent zu Ende zu bringen. In der 1. Klasse eines ICEs ist es unglaublich ruhig; allein schon, weil deutlich weniger Familien und Kinder hier sitzen (nicht, dass ich gegen Kinder etwas hätte, aber ich habe ja auch keine in meinem Büro ;)). Da ich Reisezeit gerne zur Arbeit nutze, bietet das hervorragende Voraussetzungen für ein paar Stunden konzentriertes Werkeln. Sei es für Uni, Arbeit oder auch den Blog hier (ich schreibe gerade aus dem 1. Klasse Abteil des ICEs von Erfurt nach Frankfurt), ich kann hier innerhalb von zwei/drei Stunden echt viel schaffen. Ich habe sogar auch das Gefühl, die Atmosphäre in diesem Abteil regt zusätzlich zur konzentrierten Arbeit an.

Ruhe, Sauberkeit und entspannte Atmosphäre

2. Service und Sauberkeit
Wer schon einmal in einem ICE war, weiß wie der am Ende des Tages aussehen kann; was besonders auf die Toiletten zutrifft. In der 1. Klasse sieht das tatsächlich ganz anders aus. Allein durch die niedrigere Frequentierung und zudem durch die höhere Achtsamkeit der Klientel und des Personals sieht es hier meist viel ordentlicher aus. Eine solche Atmosphäre wirkt sich ungemein auf die Stimmung und auch auf die Produktivität aus, was man selbst sehr schnell beim Arbeiten an einem vollen, unaufgeräumten und einem sauberen Schreibtisch ausprobieren kann.



3. Sitzplatzreservierung inklusive
Besonders auf hochfrequentierten Strecken kann es vorkommen, dass man im ICE ohne Reservierung stehen muss. Das kann in der 1. Klasse gar nicht passieren, da jedes Ticket mit einer Sitzplatzreservierung inklusive verkauft wird und es nicht mehr Tickets als Sitzplätze geben kann. In der 2. Klasse ist es im Falle des Falles nicht nur voll, sondern übervoll, während es in der höheren meist noch Luft ist. Allein dafür lohnt sich der Aufpreis allemal


4. Gar nicht mal so teuer
Wer zeitlich flexibel ist oder sich die Zeit nimmt, einen Tag früher zu einem Termin zu reisen, kann bei der Deutschen Bahn sehr viel Geld sparen. Ich habe zudem eine BahnCard 25 für die erste Klasse, die bis 27 Jahre sogar unter 100 € zu bekommen ist. Zusammen mit einem Spar- oder Super-Sparpreis landet man meistens irgendwo weit unter 50 € pro Fahrt. Wenn man noch die inbehaltene Sitzplatzreservierung einberechnet, ist der Preis i.d.R. sehr human.


Vielleicht konnte ich euch etwas darlegen, warum das zuerst dekadent und verschwenderisch klingende Reisen in der 1. Klasse der Deutschen Bahn eigentlich doch sehr minimalistisch sein kann. Letztendlich muss es jeder für sich entscheiden.

Viele Grüße,
euer Sascha



Montag, 5. Dezember 2016

Winterblues: Die Rolling Stones und mein Winterwein


Das erste Studioalbum nach 12 Jahren und es klingt wie ein Ausflug in die Zeit vor ihrem ersten Plattenvertrag: Die Rolling Stones, Urgesteine des Rock, kehren getreu dem Rat der Beatles von vor 46 Jahren "Get back to where you once belongend!" zurück zu ihren Wurzeln. Sie rauften sich als rebellische Jugendliche zusammen, um Bluesstücke ihrer Idole des schwarzen Amerika zu covern. Später folgten eigene Lieder, die eine andere Rauigkeit an den Tag legten. Doch offensichtlich hat die Musik, die die damals jungen Wilden zusammenkommen ließ, sie nie ganz losgelassen.

Mit Blue & Lonesome legen die Stones eine Platte mit Covern von Großmeistern wie Jimmy Reed, Willie Dixon, Eddie Taylor und vielen anderen vor. Die Cover sind dabei jeweils mit unendlich viel Hingabe vorgetragen und zu keinem Zeitpunkt platt oder einfallslos. Man spürt bei den weit über 70-jährigen die Liebe zu der Musik, mit der sie einst groß geworden sind. Das lädt zum Träumen ein. Mit dieser Platte auf den Ohren kann man sich wunderbar in einem großen Sessel versenken, sich von den Rhythmen davontragen lassen und die Stimmung genießen. Besonders atmosphärische Stücke wie das träumerische  "All of your love" könnten direkt aus einem verrauchten Blueskeller mit vier huttragenden Männern in abgewetzten Anzügen auf der Bühne kommen. In der Musik schwingt die Vorstellung eines stickigen Konzertraumes mit dem Geruch von Whiskey, Zigaretten und Schweiß mit. Da ich aber keinen Whiskey mag, trinke ich dazu Wein.


Es sind gerade -7 °C draußen als ich diese Zeilen schreibe. Eigentlich wäre das der richtige Zeitpunkt für einen mächtigen Rotwein, der sich genüsslich vorm Kaminfeuer (oder wahlweise der Heizung) dem inneren Wärmen des Körpers verschreiben soll. Ein schwerer Spätburgunder beispielsweise, der schon beim Nippen einen Teppich aus Geschmäckern auf der Zunge hinterlässt. Allerdings stand mir in diesem Winter noch nicht die Lust nach Rotwein, ich habe tatsächlich schon länger keinen mehr geöffnet. 


Vielmehr passt zum kalten Wetter für mich ein süßer Weißer, gerade in Kombination mit der Verzückung des eben besprochenen Albums. Eine goldgelbe Auslese mit besonders spät gelesenen Reben setzt im Winter mit seiner wuchtigen Süße einen guten Kontrast zum klirrend kalten Wetter, das aber mit blauem Himmel und weißen Landschaften lockt. Bei mir ist es die Nachtgold Auslese "Edelsüß" aus der Pfalz aus dem vergangenen Jahr. Wenig Säure und fruchtige Süße verstecken den Alkohol fast vollständig und lassen die Aromen vollständig im Vordergrund stehen. Den Wein findet ihr zu 0,375 ml beim Weinhändler eures Vertrauen für um die 5 €.

So sitze ich also auf dem Sessel, auf den Ohren den wimmernden Hoo Doo Blues mit Mick Jagger an der Mundharmonika, in meiner Hand einen großartigen Wein und in meinem Kopf nichts außer Wohlbefinden. So darf der Winter noch sehr lange dauern.


Euer Sascha